Hauptkathedrale der Streitkräfte der Russländischen Föderation mit Triumphbogen in Kubinka

Park „Patri­ot“ in Kubinka

Etwa eine Auto­stun­de west­lich von Mos­kaus pul­sie­ren­dem Zen­trum, in der sanft gewell­ten Land­schaft des Mos­kau­er Oblasts, mani­fes­tiert sich das Selbst­ver­ständ­nis der poli­ti­schen Eli­ten der Russ­län­di­schen Föde­ra­ti­on in einer Form, die in ihrer schie­ren Grö­ße und ideo­lo­gi­schen Wucht ohne­glei­chen ist: der Patri­ot-Park. Wer die Rei­se hier­her unter­nimmt, betritt kein gewöhn­li­ches Muse­um, son­dern eine umfas­send kura­tier­te Welt, die als eine Art „Dis­ney­land“ einer wie­der­erwach­ten Super­macht beschrie­ben wer­den kann.

Auf einer Flä­che von über 5.000 Hekt­ar ver­schmel­zen hier Mili­tär­ge­schich­te, hoch­mo­der­ne Waf­fen­tech­nik, ortho­do­xer Glau­be und eine tief ver­wur­zel­te natio­na­le Erzäh­lung zu einem über­wäl­ti­gen­den, fast tota­len Erleb­nis. Es ist ein Ort der Extre­me, der den Besu­cher mit sei­ner Mischung aus nüch­ter­ner Tech­nik­schau, inter­ak­ti­vem Enter­tain­ment und einer bei­na­he sakra­len Über­hö­hung des Mili­tä­ri­schen kon­fron­tiert. Der Park ist nicht nur eine Aus­stel­lung, son­dern ein leben­di­ger Orga­nis­mus: Mes­se­ge­län­de für die Rüs­tungs­in­dus­trie, Trai­nings­zen­trum für die Armee und vor allem eine gigan­ti­sche Schu­le der Nati­on, die der Jugend die Wer­te von Stär­ke, Opfer­be­reit­schaft und unbe­ding­ter Vater­lands­lie­be ver­mit­teln soll. Ein Besuch ist eine Lek­ti­on in staats­tra­gen­der Ideo­lo­gie, gegos­sen in Beton und Stahl.

Die Haupt­ka­the­dra­le der Streitkräfte

Hauptkathedrale der Streitkräfte der Russländischen Föderation in Kubinka
Haupt­ka­the­dra­le der Streitkräfte der Russländischen Föderation in Kubinka

Das unüber­seh­ba­re, spi­ri­tu­el­le und archi­tek­to­ni­sche Zen­trum des Patri­ot-Parks ist die Haupt­ka­the­dra­le der Streit­kräf­te der Russ­län­di­schen Föde­ra­ti­on, ein Bau­werk von so dich­ter und tief­grün­di­ger Sym­bo­lik, dass es den Betrach­ter zunächst sprach­los macht. Ihre kha­ki­far­be­ne, fast bedroh­lich wir­ken­de Fas­sa­de, durch­bro­chen von metal­le­nen Panee­len und kunst­vol­len Glas­fens­tern, erhebt sich als moder­nes Monu­ment aus der Land­schaft. Jedes Detail die­ses Got­tes­hau­ses ist prä­zi­se auf die Mili­tär­ge­schich­te des Lan­des, ins­be­son­de­re auf den „Gro­ßen Vater­län­di­schen Krieg“ von 1941 bis 1945, abge­stimmt. Die Höhe des Glo­cken­turms beträgt 75 Meter und mar­kiert die 75 Jah­re, die seit dem Sieg ver­gan­gen sind. Der Durch­mes­ser der Haupt­kup­pel misst exakt 19,45 Meter, eine Refe­renz an das Jahr des Kriegs­en­des. Die klei­ne­ren Kup­peln sind eben­falls mit nume­ri­schen Ver­wei­sen auf his­to­ri­sche Mili­tär­füh­rer und Ereig­nis­se kodiert.

Innenansicht der Hauptkathedrale der Streitkräfte der Russländischen Föderation im Park Patriot in Kubinka
Innen­an­sicht der Haupt­ka­the­dra­le der Streitkräfte der Russländischen Föderation im Park Patri­ot in Kubinka

Betritt man das Inne­re, wird die Fusi­on von Ortho­do­xie und Mili­tär noch greif­ba­rer. Der Raum ist in ein düs­te­res, gol­den und grün schim­mern­des Licht getaucht. Die Wän­de sind mit rie­si­gen Mosai­ken bedeckt, die nicht nur tra­di­tio­nel­le Hei­li­ge und bibli­sche Sze­nen zei­gen, son­dern die­se naht­los mit Dar­stel­lun­gen von Sol­da­ten, Pan­zern, Flug­zeu­gen und his­to­ri­schen Schlach­ten ver­bin­den. Mili­tä­ri­sche Orden und Ehren­zei­chen wer­den wie hei­li­ge Reli­qui­en in die Iko­no­gra­fie inte­griert. So ent­steht ein ein­zig­ar­ti­ges ideo­lo­gi­sches Amal­gam, in dem der hei­li­ge Georg den Dra­chen tötet, wäh­rend unweit davon sowje­ti­sche Sol­da­ten die Reichs­tags­flag­ge his­sen. Die viel­leicht ein­drück­lichs­te Sym­bo­lik fin­det sich unter den Füßen der Besu­cher: Die Stu­fen, die zur Kathe­dra­le hin­auf­füh­ren, wur­den, so die offi­zi­el­le Dar­stel­lung, aus ein­ge­schmol­ze­nen Waf­fen und Pan­zer­ket­ten der deut­schen Wehr­macht gegos­sen – ein buch­stäb­li­ches Nie­der­tre­ten des besieg­ten Fein­des auf dem Weg ins Hei­lig­tum. Die­se Kathe­dra­le ist mehr als nur ein Got­tes­haus; sie ist ein stei­ner­nes Pan­the­on des russ­län­di­schen Mili­tär­ruhms, eine Ver­kör­pe­rung der Ein­heit von Kir­che, Staat und Armee.

Umge­ben wird die Kathe­dra­le vom Muse­ums­kom­plex „Stra­ße der Erin­ne­rung“. Ein gewal­ti­ger, halb­run­der Bau, des­sen Gale­rie sich über exakt 1418 Meter erstreckt – ein Meter für jeden Tag des Krie­ges. In 35 the­ma­ti­schen Sälen wird der Kriegs­ver­lauf chro­no­lo­gisch nach­ge­zeich­net, unter­malt von immersi­ven Mul­ti­me­dia-Instal­la­tio­nen, Diora­men und Tau­sen­den von Arte­fak­ten. Der eigent­li­che Kern aber sind die Mil­lio­nen von Fotos und Daten­sät­zen gefal­le­ner Sol­da­ten, die die Wän­de bede­cken und dem Besu­cher das uner­mess­li­che Aus­maß der sowje­ti­schen Ver­lus­te vor Augen führen.

Das Pan­zer­mu­se­um Kubinka

Wäh­rend der Patri­ot-Park eine Schöp­fung des 21. Jahr­hun­derts ist, ruht sein Fun­da­ment auf einem Ort von welt­wei­tem Renom­mee unter Mili­tär­his­to­ri­kern und Tech­ni­ken­thu­si­as­ten: dem Pan­zer­mu­se­um in Kubin­ka. Ursprüng­lich ein streng gehei­mes Test- und Erpro­bungs­ge­län­de der Roten Armee, wur­de die Samm­lung in den 1970er Jah­ren für ein Fach­pu­bli­kum zugäng­lich gemacht und ist heu­te inte­gra­ler Bestand­teil des Patri­ot-Parks. Die Atmo­sphä­re in den alten, schmuck­lo­sen Han­gars von Kubin­ka steht in einem fas­zi­nie­ren­den Kon­trast zur polier­ten, hoch­mo­der­nen Insze­nie­rung des rest­li­chen Parks. Hier riecht es noch nach kal­tem Stahl, Schmier­fett und Geschich­te. Die Pan­zer ste­hen dicht an dicht in den Hal­len, nicht immer per­fekt aus­ge­leuch­tet, aber mit einer unver­wech­sel­ba­ren Aura der Authentizität.

Panzerkampfwagen VIII „Maus“ im Panzermuseum Kubinka
Pan­zer­kampf­wa­gen VIII „Maus“ im Pan­zer­mu­se­um Kubinka

Die Samm­lung ist schlicht­weg atem­be­rau­bend und gilt als eine der bedeu­tends­ten der Welt. Ihr Wert liegt nicht nur in der schie­ren Anzahl der Expo­na­te, son­dern vor allem in ihrer Ein­zig­ar­tig­keit. Ein beson­de­rer Schwer­punkt ist die Samm­lung deut­scher Beu­te­fahr­zeu­ge aus dem Zwei­ten Welt­krieg, die in die­sem Umfang nir­gend­wo sonst zu fin­den ist. Das unbe­strit­te­ne High­light ist der Pan­zer VIII „Maus“, ein 188 Ton­nen schwe­rer Pro­to­typ und der größ­te Pan­zer, der jemals gebaut wur­de. Allein vor die­sem stäh­ler­nen Unge­tüm zu ste­hen, lässt die Dimen­sio­nen des Rüs­tungs­wahns jener Zeit erah­nen. Dane­ben fin­den sich Rari­tä­ten wie der Selbst­fahr­la­fet­ten-Pro­to­typ „Stu­rer Emil“, ver­schie­de­ne Model­le der Tiger- und Pan­ther-Pan­zer sowie eine Viel­zahl ande­rer Fahr­zeu­ge, die von der Roten Armee erbeu­tet und akri­bisch unter­sucht wurden.

Eben­so beein­dru­ckend ist die Abtei­lung der sowje­ti­schen Pan­zer. Hier kann man die gesam­te Ent­wick­lungs­li­nie von den ers­ten leich­ten Pan­zern der 1920er Jah­re über den legen­dä­ren T‑34 – das Rück­grat der Pan­zer­trup­pen im Zwei­ten Welt­krieg – bis hin zu den Kampf­pan­zern des Kal­ten Krie­ges nach­ver­fol­gen. Beson­ders fas­zi­nie­rend sind die zahl­rei­chen Pro­to­ty­pen und expe­ri­men­tel­len Fahr­zeu­ge, die Ein­bli­cke in die Denk­wei­se der sowje­ti­schen Inge­nieu­re gewäh­ren und von denen oft nur ein ein­zi­ges Exem­plar exis­tiert. Abge­run­det wird die Aus­stel­lung durch eine umfang­rei­che Samm­lung von Pan­zern der west­li­chen Alli­ier­ten sowie Fahr­zeu­ge aus ande­ren Natio­nen, was Kubin­ka zu einem wah­ren Kom­pen­di­um der glo­ba­len Pan­zer­ge­schich­te macht. Für den Ken­ner ist Kubin­ka ein Wall­fahrts­ort, ein Archiv aus Stahl, das eine nüch­ter­ne, aber umso ein­drück­li­che­re Erzäh­lung von tech­no­lo­gi­scher Inno­va­ti­on und mili­tä­ri­scher Eska­la­ti­on bietet.

Ein Park der Gegensätze

Die Inte­gra­ti­on des alten Muse­ums in den neu­en Patri­ot-Park schafft ein Erleb­nis vol­ler Kon­tras­te. Auf der einen Sei­te steht das alte Kubin­ka, ein Ort der rei­nen Tech­nik­ge­schich­te, der Inge­nieu­re und His­to­ri­ker anspricht und des­sen Fas­zi­na­ti­on in der mate­ri­el­len Sub­stanz der Expo­na­te liegt. Auf der ande­ren Sei­te steht der moder­ne Patri­ot-Park, eine mul­ti­me­dia­le Erleb­nis­welt, die eine emo­tio­na­le und ideo­lo­gi­sche Bot­schaft trans­por­tiert. Hier geht es nicht nur um das „Was“, son­dern vor allem um das „War­um“ – war­um der mili­tä­ri­sche Sieg für die russ­län­di­sche Iden­ti­tät von zen­tra­ler Bedeu­tung ist.

Innenansicht eines Erdbunkers im Partisanendorf im Patriot-Park in Kubinka
Innen­an­sicht eines Erd­bun­kers im Par­ti­sa­nen­dorf im Patri­ot-Park in Kubinka

Neben den Haupt­at­trak­tio­nen bie­tet der Park eine Fül­le wei­te­rer Erleb­nis­se. Im „Par­ti­sa­nen­dorf“ wird das Leben sowje­ti­scher Wider­stands­kämp­fer in authen­tisch nach­ge­bau­ten Erd­bun­kern und Holz­hüt­ten insze­niert. Auf den weit­läu­fi­gen Frei­flä­chen ist moder­nes russ­län­di­sches Kriegs­ge­rät aus­ge­stellt, von Kampf­pan­zern über Rake­ten­sys­te­me bis hin zu Kampf­hub­schrau­bern, in die man oft auch hin­ein­klet­tern darf. Inter­ak­ti­ve Schieß­stän­de, Pan­zer­si­mu­la­to­ren und die Mög­lich­keit, in einem his­to­ri­schen Pan­zer mit­zu­fah­ren, ver­stär­ken den Cha­rak­ter eines mili­tä­ri­schen Themenparks.

Ein Besuch im Patri­ot-Park ist letzt­lich eine kom­ple­xe und viel­schich­ti­ge Erfah­rung. Er ist eine beein­dru­cken­de Zur­schau­stel­lung mili­tä­ri­scher Macht und tech­no­lo­gi­scher Errun­gen­schaf­ten. Gleich­zei­tig ist er ein tief­ge­hen­der Ein­blick in die See­le, in das kol­lek­ti­ve Gedächt­nis einer Nati­on, für die der Sieg im Gro­ßen Vater­län­di­schen Krieg das grund­le­gen­de und sinn­stif­ten­de Ereig­nis des 20. Jahr­hun­derts dar­stellt. Man ver­lässt die­sen Ort nach­denk­lich, viel­leicht ver­stört, aber in jedem Fall mit einem bes­se­ren Ver­ständ­nis für die untrenn­ba­re Ver­bin­dung von Geschich­te, Stolz und Wehr­haf­tig­keit, die das heu­ti­ge Russ­land prägt. Es ist eine unver­gess­li­che Lek­ti­on, nicht nur über Pan­zer, son­dern über die Macht der Sym­bo­le und die Kon­struk­ti­on natio­na­ler Identität.

Kurz­in­for­ma­ti­on Patriot-Park

Rei­se­op­tio­nen

Wenn Sie den Patri­ot-Park besu­chen möch­ten, so erar­bei­ten wir ger­ne einen ent­spre­chen­den Rei­se­plan für Sie. Oder Sie wäh­len aus der Rei­he von vor­ge­fer­tig­ten Rei­se­vor­schlä­gen einen Rei­se­plan aus, wel­cher einen Besuch des Patri­ot-Parks beinhaltet.

Der Besuch des Patri­ot-Parks kann auch mit dem Besuch von wei­te­ren sehens­wer­ten Orten in

kom­bi­niert wer­den. Für Details sol­cher indi­vi­du­ell ange­pass­ten Tou­ren spre­chen Sie uns bit­te an.

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